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Beim Richtfest der Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage: (von links) Martin Uekmann, Lars Helmer, Dr. Ute Röder, Rainer Müller, Sarah Greinert, Frank Strothmann und Thomas Pörtner. Foto: MVA Bielefeld/Hans-Heinrich Sellmann
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Richtfest für die neue Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage

Hochbau fast abgeschlossen – Inbetriebnahme ab Mitte 2027 geplant

Ein weiterer Meilenstein beim Bau der neuen Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage (KVA) auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage (MVA) ist erreicht: Rund anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung wurde nun das Richtfest für das KVA-Gebäude gefeiert. Der Bau verläuft planmäßig, der Hochbau ist weitgehend abgeschlossen.

„Dass wir heute gemeinsam hier stehen, zeigt ganz anschaulich: Dieses Projekt macht sichtbare Fortschritte“, sagt Sarah Greinert, Geschäftsführerin der MVA Bielefeld. „Die KVA steht für eine langfristige, verlässliche und partnerschaftliche Entsorgungslösung in der Region. Es werden so die notwendigen Grundlagen geschaffen, um Phosphor aus der Klärschlammasche zukünftig zurückzugewinnen.“

Die Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage ist ein Gemeinschaftsprojekt der MVA Bielefeld-Herford GmbH und der Klärschlammverwertung OWL GmbH (KSV OWL). Hintergrund sind gesetzliche Anforderungen aus der Klärschlammverordnung an die Verwertung, die den Aufbau zusätzlicher regionaler Kapazitäten erforderlich machen. „Die bei der Abwasserbehandlung anfallenden Klärschlämme von mehr als 100 Kläranlagen der Gesellschafter der KSV OWL aus ganz Ostwestfalen-Lippe und angrenzenden Gebieten Niedersachsens stellen die Mengenbasis für die Auslastung der KVA dar“, sagt Lars Helmer, Geschäftsführer der KSV OWL.

Mit der KVA entsteht in Ostwestfalen-Lippe erstmals eine Verbrennungsanlage, die ausschließlich Klärschlämme thermisch verwertet. „Mit der Anlage schaffen wir für unsere 78 Gesellschafterkommunen eine verlässliche und zukunftssichere Lösung“, sagt Dr. Ute Röder, Aufsichtsratsvorsitzende der KSV OWL. „Die Anlage steht für eine funktionierende kommunale Zusammenarbeit und setzt zugleich hohe Maßstäbe in Umwelt- und Ressourcenschutz.“

Baufortschritt und technische Eckdaten

Seit der Grundsteinlegung im Oktober 2024 hat sich auf der Baustelle viel getan. Der Rohbau des Gebäudes ist nun so weit fortgeschritten, dass das Richtfest stattfinden konnte. Parallel zum Hochbau läuft bereits der technische Ausbau für die späteren Verfahrensschritte.

Die KVA ist auf eine Verbrennung von bis zu 35.000 Tonnen Klärschlamm in Trockensubstanz pro Jahr ausgelegt, was einem Durchsatz von bis zu 140.000 Tonnen in Originalsubstanz entspricht. Herzstück der Anlage ist ein Wirbelschichtofen mit einer Feuerungswärmeleistung von 12,5 Megawatt, der bereits zu großen Teilen installiert ist.

Für die vorgelagerte Trocknung des entwässerten Klärschlamms werden zwei Bandtrockner eingesetzt, ergänzt durch externe Trocknungskapazitäten. „Die entstehenden Rauchgase der KVA werden erst über zwei Filterstufen vorgereinigt, bei dem auch die phosphorhaltigen Aschen abgeschieden werden. Danach werden die Rauchgase in die bestehende Rauchgasreinigungsanlage der MVA eingebunden. Damit wird für die KVA das gleiche hohe Emissionsschutzniveau wie bei der MVA gewährleistet“, sagt Thomas Pörtner, Geschäftsführer der MVA Bielefeld.

„Für uns als Stadtwerke ist die KVA ein strategisch bedeutendes Projekt“, sagt Rainer Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld. „Sie verbindet Entsorgungssicherheit mit Energieerzeugung und leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Infrastruktur.“

Die bei der Verbrennung entstehende Energie wird künftig zur Erzeugung von klimafreundlicher Fernwärme genutzt. Damit können bis zu 4.400 Haushalte versorgt werden. Zudem schafft die Monoverbrennung die Voraussetzung, den in der Klärschlammasche enthaltenen Phosphor – eine endliche und wichtige Ressource –zurückzugewinnen.

Hohe Umweltstandards und regionale Einbindung

Um Geruchsemissionen zu vermeiden, wird der Bereich der Klärschlammannahme vollständig eingehaust und unter ständigem Unterdruck betrieben. Die abgesaugte Luft wird dem Verbrennungsprozess zugeführt. Die Anlieferung der Klärschlämme erfolgt in geschlossenen Containern und soll überwiegend über die Eckendorfer Straße erfolgen. Insgesamt ist mit maximal 30 zusätzlichen Lkw-Fahrten pro Tag zu rechnen – eine moderate Erhöhung zum bestehenden Verkehrsaufkommen auf der Eckendorfer Straße.

Am Bau der KVA sind zahlreiche regionale Unternehmen beteiligt. Das Projekt steht beispielhaft für die enge Zusammenarbeit von Kommunen, kommunalen Unternehmen, Planung, Genehmigungsbehörden und Baugewerken.

„Hier entsteht eine Anlage mit langfristiger Bedeutung für die Stadt und die gesamte Region“, sagt Bürgermeister Frank Strothmann. „Sie stärkt die kommunale Infrastruktur und zeigt, wie gemeinsames Handeln Zukunft konkret gestaltet.“

Inbetriebnahme schrittweise geplant

Nach Abschluss der Bauarbeiten folgt ein gestufter Prozess zur Inbetriebnahme. Wenn die Test- und Probebetriebsphase abgeschlossen ist, soll die Anlage spätestens zum Ende des Jahres 2027 in den Regelbetrieb überführt werden. Über den Projektfortschritt wird auf der Website www.interargem.de/standorte/owl-ressourcen/bau-und-betrieb informiert.