Der öffentliche Personennahverkehr bleibt eine zentrale Aufgabe für Kommunen und Verkehrsunternehmen. Auch in Bielefeld zeigt sich: Die Nachfrage nach Bus und Stadtbahn steigt weiter - auf ein neues Rekordniveau von 60,7 Millionen Fahrgästen. Gleichzeitig steht die Branche vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Auch für moBiel gilt: Trotz steigender Fahrgastzahlen bleibt die Finanzierung des ÖPNV eine zentrale Aufgabe.
„Die außerordentliche Nachfrageentwicklung unterstreicht die Bedeutung des Angebots für Klimaschutz, Erreichbarkeit und Lebensqualität in Bielefeld“, sagt moBiel-Geschäftsführer Martin Uekmann. Während in vielen Städten über Angebotskürzungen diskutiert werde, stehe moBiel weiterhin für ein verlässliches und leistungsfähiges Angebot. Sehr gute Pünktlichkeitswerte sowie Investitionen in die Infrastruktur – etwa durch neue Hochbahnsteige und Fahrzeuge – erhöhten die Attraktivität des Gesamtsystems. Auch der Wechsel der beauftragten Busunternehmen sei reibungslos verlaufen und trage zu einer verbesserten Fahrzeugqualität bei.
Mit der Fertigstellung der Hauptstraße in Brackwede wurde 2025 ein Meilenstein für das Bielefelder Stadtbahnsystem
erreicht. moBiel-Geschäftsführer Arne Petersen: „Die modernisierte, barrierefreie Stadtbahntrasse, das aufgewertete Stadtbild und die Wiederaufnahme des regulären Betriebs der Linie 1 zeigen, dass Investitionen und langfristiges Engagement Wirkung entfalten.“ Petersen verantwortet die Bereiche Betrieb, Fahrzeuge und Infrastruktur.
Neben diesem großen Fortschritt standen im Jahr 2025 auch zahlreiche Maßnahmen im Fokus, die den Betrieb im Alltag weiter verbessern und zukunftsfähig machen. Wie die Gleissanierung am Niederwall, die bewusst in den Sommerferien stattgefunden hat, um die Einschränkungen für die Fahrgäste möglichst gering zu halten. Ein prägendes Thema des Jahres war zudem die Digitalisierung. Mit der Einführung der mobilen Ticketautomaten in den Bussen wurde ein technisch notwendiger und zukunftsorientierter Schritt vollzogen. Zur besseren Orientierung wurde in der Stadtbahn-Haltestelle Jahnplatz ein neues Wegeführungssystem installiert. Gerade für Gelegenheitsfahrer sehr hilfreich.
Marcel Vartmann, Geschäftsbereichsleiter Markt und Fahrgast sagt: „Das Deutschlandticket hat maßgeblich dazu beigetragen, dass mehr Menschen den ÖPNV nutzen. Entscheidend ist, den Zugang so einfach und attraktiv wie möglich zu gestalten – von verständlichen Informationssystemen bis hin zu intuitiven digitalen Lösungen. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass ein solcher digitaler Wandel für manche Fahrgäste eine Umstellung bedeutet. Dabei unterstützen wir sie aktiv – mit Beratung, persönlichem Service und klaren Informationen.“
Jahresergebnis besser als geplant
So positiv die Nachfrageentwicklung ist: Die wirtschaftliche Lage bleibt herausfordernd. Das Jahresergebnis vor Ergebnisabführung und Betriebskostenzuschuss der Stadt Bielefeld beläuft sich 2025 auf -48,6 Mio. Euro (Vorjahr: -44,0 Mio. Euro). Ursächlich für die Entwicklung sind vor allem höhere Personalaufwendungen, steigende Energiepreise sowie zunehmende Kosten für Instandhaltung und Betrieb. Trotzdem fällt das Minus 2,6 Millionen Euro geringer aus als geplant.
Die Umsatzerlöse sind auf 62,2 Millionen Euro gegenüber 54,4 Millionen Euro im Vorjahr gestiegen. 57,8 Millionen Euro resultieren dabei aus Fahrgeldeinnahmen (2024: 48,3 Millionen Euro). Diese Entwicklung hängt unter anderem mit steigenden Fahrgastzahlen und der Preiserhöhung beim Deutschlandticket von 49 Euro auf 58 Euro zusammen.
Für das Jahr 2025 beträgt der Betriebskostenzuschuss der Stadt gemäß Finanzierungsvereinbarung 30,6 Millionen Euro. Verluste bis zu einer Höhe von 18 Millionen Euro werden von den Stadtwerken finanziert. „Es bestätigt sich, dass die Stadtwerke angesichts der umfangreichen Investitionen in die Energiewende, die damit verbundene Transformation und die erheblichen Kostensteigerungen im Verkehrsbereich nicht allein kompensieren können. Umso wichtiger und richtungsweisend ist daher die Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt“, sagt Martin Uekmann. „Gleichzeitig ist uns bewusst, dass die angespannte Haushaltslage in Bielefeld von moBiel ein weiterhin hohes Kostenbewusstsein verlangt, damit der Betriebskostenzuschuss möglichst geringgehalten wird. Zugleich darf nicht übersehen werden, dass die gesamte Branche in Deutschland mit dauerhaft steigenden Kosten konfrontiert ist – etwa bei Energie, Material und infolge der jüngsten Tarifabschlüsse auch beim Personal. Deshalb wird es entscheidend sein, beide Herausforderungen auszubalancieren: einerseits die notwendigen Einsparungen und andererseits die Sicherung zentraler Zukunftsaufgaben. Denn auch unter diesen Rahmenbedingungen müssen wir die Verkehrswende weiter voranbringen.“
Investiert hat moBiel im vergangenen Jahr 46,9 Millionen Euro (2024: 44,6 Millionen Euro). 20,2 Millionen Euro wurden für die Stadtbahninfrastruktur der Linie 1 ausgegeben. Außerdem flossen 20,4 Millionen Euro in die Wasserstoffinfrastruktur und die Beschaffung entsprechender Busse. Diese Investitionen sichern die Leistungsfähigkeit des Systems und schaffen die Grundlage für weiteres Wachstum. Insgesamt sind mittlerweile 29 emissionsfreie Busse im Einsatz. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen und verbessern gleichzeitig die Umweltqualität in der Stadt. Damit zahlt moBiel auch auf den Aktionsplan Klimaschutz der Stadtwerke Gruppe ein. Dort werden Maßnahmen gebündelt, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren und langfristig klimaneutral zu werden.
Personalplanung sichert Angebot
Der Fachkräftemangel im Fahrdienst bleibt eine Herausforderung für die gesamte Branche. „Eine verlässliche Angebotsqualität im öffentlichen Nahverkehr steht und fällt mit der Personalplanung. Trotz des Fachkräftemangels ist es uns gelungen, unser Angebot stabil zu erbringen. Das ist das Ergebnis einer vorausschauenden Planung“, sagt David Heidenreich, Geschäftsbereichsleiter Betrieb. Dazu gehört insbesondere der Ausbau der Ausbildung, um künftig mehr Fahrerinnen und Fahrer für Bus und Stadtbahn selbst zu qualifizieren. Parallel werden weiterhin Fachkräfte in Planung, Bau und Technik gesucht.
Ausblick auf 2026
In den Sommerferien werden umfangreiche Gleisbauarbeiten im Stadtbahn-Tunnel durchgeführt. Nach den Erneuerungen an Gleisen und Weichen im Abschnitt zwischen Landgericht und Rathaus im vergangenen Jahr werden die Grunderneuerungsarbeiten in diesem zentralen Teil des Stadtbahnnetzes konsequent fortgeführt. In diesem Sommer konzentrieren sich die Maßnahmen auf den Bereich zwischen Rathaus und Hauptbahnhof. Ziel ist es, die technische Infrastruktur im Tunnel nachhaltig zu modernisieren und die hohe Verfügbarkeit des Stadtbahnverkehrs langfristig sicherzustellen.
Zudem schreiten die Bauarbeiten entlang der Linie 1 in Brackwede weiter voran. Mit dem neuen Hochbahnsteig Windelsbleicher Straße, der Modernisierung der Haltestelle Rosenhöhe und der Grunderneuerung des Streckenabschnitts bis zur Endstation Senne wird die Infrastruktur weiter auf den Einsatz der Vamos-Fahrzeuge ausgerichtet. Gleichzeitig verbessern die Maßnahmen die Barrierefreiheit und die Erreichbarkeit der Haltestellen. Ab dem 2. September soll die Linie 1 wieder bis zur Endstation Senne fahren.
Ein zentrales Infrastrukturprojekt bleibt die geplante Verlängerung der Linie 1 nach Sennestadt. Die Strecke soll um knapp neun Kilometer ausgebaut werden, um die Senne sowie den Sennestädter Norden künftig direkt und ohne Umstieg an die Bielefelder Innenstadt anzubinden. Vor der nächsten politischen Befassung sind Informationsveranstaltungen in Senne und Sennestadt vorgesehen, in deren Rahmen interessierte Bürgerinnen und Bürger über den aktuellen Planungsstand informiert werden. Ziel des Ausbaus ist es, durch ein attraktives ÖPNV-Angebot zusätzliche Fahrgäste für den Umstieg vom motorisierten Individualverkehr zu gewinnen.
In den kommenden Jahren werden in Bielefeld weitere Investitionen in die städtische Infrastruktur notwendig sein. Das bedeutet auch: noch mehr Baustellen und mehr Veränderungen im Straßenraum. Uekmann: „Der ÖPNV ist dabei nicht Teil des Problems, sondern ein wesentlicher Teil der Lösung.“

