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Haben interessierte Medienvertreter diese Woche durch die Anlage geführt: Luca Dahlhoff, Dirk Porbatzki, Thomas Pörtner und Dr. Clemens Pues.
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Gesamtanlagenstillstand in der MVA Bielefeld

Wichtige Weichenstellungen für die Zukunft der thermischen Abfall-Verwertung

Seit dem 29. Juni ruht für knapp drei Wochen der reguläre Betrieb der Müllverbrennungsanlage Bielefeld-Herford (MVA). Der sogenannte Gesamtanlagenstillstand wird genutzt, um zahlreiche Modernisierungs-, Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen umzusetzen, die während des laufenden Betriebs nicht möglich wären. Nahezu 40
Einzelprojekte werden dabei realisiert oder angestoßen. Im Mittelpunkt steht dieses Mal die technische Anbindung der neuen Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage (KVA) an die bestehende Infrastruktur der MVA. Darüber hinaus werden wichtige Maßnahmen im Bereich Brandschutz, Anlagentechnik und Energieeffizienz umgesetzt. Trotz des dreiwöchigen Gesamtanlagenstillstands bleibt die Entsorgungssicherheit uneingeschränkt gewährleistet. Die Abholung des Hausmülls sowie die anschließende Entsorgung der Abfälle aus den Bielefelder Haushalten erfolgt wie gewohnt.

„Der Anlagenstillstand wird nur etwa alle zehn Jahre durchgeführt. Er ist jedes Mal eine besondere Herausforderung für die gesamte Mannschaft. Viele Arbeiten können ausschließlich in dieser kurzen Zeit durchgeführt werden, weil dafür die komplette Anlage außer Betrieb sein muss. Gleichzeitig schaffen wir damit die Voraussetzungen, die MVA auch künftig technisch auf hohem Niveau und zuverlässig betreiben zu können“, erklärt MVAGeschäftsführer Thomas Pörtner.

MVA und KVA werden miteinander verbunden

Das größte Einzelprojekt des diesjährigen Gesamtanlagenstillstands ist die Anbindung der neuen Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage an die MVA. Ziel ist es, beide Anlagen künftig eng miteinander zu verknüpfen und Energie möglichst effizient zu nutzen.

Dafür werden während des Stillstands umfangreiche Leitungs- und Anschlussarbeiten durchgeführt. Künftig wird der Dampf, der bei der Verwertung des Klärschlamms entsteht, zur Turbine der MVA geleitet. Dort kann die enthaltene Energie genutzt werden, um Strom und Fernwärme zu erzeugen.

„Ein Teil des Dampfes wird anschließend wieder zur Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage zurückgeführt. Dort wird er eingesetzt, um den Klärschlamm vor der Verwertung zu trocknen. So greifen beide Anlagen künftig technisch ineinander und nutzen vorhandene Energie mehrfach“, erklärt Dirk Porbatzki, Bereichsleiter Technik bei der MVA.

Auch die Abgase der neuen Klärschlamm- Monoverbrennungsanlage werden künftig in die bestehende Rauchgasreinigung der MVA eingebunden. Dafür werden neue Verbindungsleitungen zwischen beiden Anlagen gebaut. Diese Arbeiten können nur während eines vollständigen Stillstands der Gesamtanlage erfolgen. Die neue Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage befindet sich derzeit im Bau. Im April dieses Jahres wurde bereits Richtfest gefeiert. Spätestens Ende 2027 soll sie in den Regelbetrieb gehen.

Neue Krankanzel verbessert Brandschutz im Müllbunker
Sichtbarstes Projekt des Gesamtanlagenstillstands ist die Erneuerung der Krankanzel im Müllbunker. Von hier aus werden die Müllkräne gesteuert, die den angelieferten Abfall im Bunker bewegen, durchmischen und den Verbrennungslinien zuführen.

Für den Austausch wurde die bestehende Kanzel zunächst vollständig zurückgebaut. Anschließend wurde die neue Krankanzel eingebaut, die insbesondere den Brandschutz deutlich verbessert. Sie erhält eine moderne Berieselungsanlage, mit der die Kanzel im Falle eines Brandereignisses im Müllbunker gezielt gekühlt und geschützt werden kann. Für die Montage der zwei Tonnen schweren Konstruktion war ein 15 Meter hohes Gerüst notwendig. Insgesamt waren an dem Austausch zehn Personen beteiligt. Parallel dazu werden die Kranschienen im Müllbunker instandgesetzt. Neben Schweißarbeiten an den Schienen selbst werden auch Befestigungen und Verschraubungen der Kranbahn repariert.

Revision mit zahlreichen weiteren Maßnahmen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der 40-Megawatt- Dampfturbine der MVA. Die Anlage wird einer umfangreichen Teilrevision unterzogen. Dabei werden sicherheitsrelevante Einrichtungen geprüft und bei Bedarf erneuert. Darüber hinaus wird das Ölsystem gereinigt, neues Turbinenöl eingefüllt sowie Getriebe, Lager und Verzahnungen kontrolliert.

Daneben nutzen die Fachkräfte den Gesamtanlagenstillstand für zahlreiche weitere Arbeiten in nahezu allen Bereichen der Anlage. Mehrere hundert Armaturen im Wasser-, Dampf- und Mediennetz werden geprüft, gewartet oder ausgetauscht. Für eine künftig höhere Fernwärmeeinspeisung durch die Klärschlammverbrennung werden Anschlüsse für die neue Fernwärmeleitung 8 vorbereitet – die wichtigste Fernwärmeleitung, die die MVA mit der Stadt verbindet. Mit ihrer späteren Inbetriebnahme soll die maximal mögliche Fernwärmeauskopplung von heute rund 75 auf bis zu 100 Megawatt steigen.

Zudem werden vier Behälter der Rauchgasreinigung erneuert, zwei neue Dampfumformstationen eingebaut sowie die größte vorhandene Reduzierstation gewartet. Weitere Arbeiten betreffen die Erneuerung von Dichtungen an großen Abdampfleitungen, die Instandsetzung des Salzsilos und der zugehörigen Fördertechnik, den Austausch des Kabelschlepps am Schlackekran sowie die Modernisierung der elektrischen Infrastruktur. So wird unter anderem eine komplette Niederspannungsanlage erneuert.

Entsorgungssicherheit ist gewährleistet
Damit die Entsorgungssicherheit trotz des dreiwöchigen Stillstands gewährleistet bleibt, wurden bereits seit Wochen umfangreiche logistische Vorbereitungen getroffen. Der Müllbunker wurde bis zum Gesamtanlagenstillstand auf ein Minimum leer gefahren. Luca Dahlhoff, Bereichsleiter Vertrieb, sagt: „Für die Dauer des Stillstands wird auf dem Gelände der MVA Bielefeld eine Abfall-Umschlagstation errichtet. Die angelieferten Abfälle werden dort kurzfristig zwischengelagert und für den Weitertransport vorbereitet. Die Umschlagslösung stellt sicher, dass die Abfälle aus Bielefeld und dem Kreis Herford auch während des Gesamtanlagenstillstands zuverlässig entsorgt werden können.“

Die Abfälle werden unter anderem zur Müllverbrennungsanlage nach Hameln transportiert, die ebenfalls zur Stadtwerke Bielefeld Gruppe gehört. Weitere kommunale Kunden liefern ihre Abfälle in diesem Zeitraum direkt dort an. Dr. Clemens Pues, kaufmännischer Betriebsleiter beim Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld, sagt: „Für uns hat dieser dreiwöchige komplette Anlagenstillstand keinerlei Auswirkungen auf die Tourenplanung und die Restmüllabfuhr aus den Bielefelder Haushalten. Unser besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MVA, die die Planung und Durchführung dieses komplexen Projekts ermöglicht haben. Und auch den beteiligten Kolleginnen und Kollegen des Umweltbetriebs. Die Zusammenarbeit verlief stets eng und vertrauensvoll.“