Versorgungssicherheit und Situation auf den Märkten

Fragen und Antworten

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine macht Tag für Tag betroffener. Immer bedrückender werden die Bilder aus den Kriegsgebieten. Gleichzeitig weiß Russland um seine Stellung, was die Belieferung des Westens mit Gas, Öl und Kohle betrifft. Deshalb stellen sich auch unsere Kundinnen und Kunden in diesen Tagen viele Fragen. Ist die Versorgung mit Gas weiter gesichert? Wohin werden sich die Energiepreise entwickeln? Was kann ich selbst tun, um die Lage zu entspannen?

Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen unserer Kundinnen und Kunden.

Was passiert, wenn ich meine Jahresabrechnung nicht mehr bezahlen kann?

Falls Sie die Nachzahlung auf Ihrer Jahresrechnung nicht in einer Summe bezahlen können, besteht die Möglichkeit, mit uns eine Ratenzahlung zu vereinbaren. Sprechen Sie uns hierzu bitte möglichst umgehend an.

Sollte die Nachzahlung auf Ihrer Jahresabrechnung so hoch ausfallen, dass Sie diese nicht mehr mit Ihren Einkommen zahlen können, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihr örtliches Jobcenter (oder, falls Sie nicht erwerbstätig sind, an Ihr zuständiges Sozialamt).

Kommen noch weitere Preiserhöhungen auf mich als Kunde zu?

Mit der aktuell beschlossenen Erhebung der Gasumlage steigt der Gaspreis derzeit um zunächst 2,419 Cent/kWh netto. Sollte sich dieser Betrag als nicht ausreichend erweisen, hat die Bundesregierung die Möglichkeit, die Umlage alle drei Monate weiter zu verändern, um die anfallenden Kosten zu decken. Ob und wann dies erfolgen wird, ist derzeit nicht abzusehen. Die Umlage gilt zunächst bis zum 1. April 2024.

Darüber hinaus hat die Bundesregierung die Erhebung einer Gasspeicherumlage beschlossen, deren Höhe auf 0,059 Cent/kWh festgelegt ist. Diese Umlage kann einmalig nach drei Monaten und anschließend alle sechs Monate angepasst werden. Auch hierbei gilt: es ist aktuell nicht abzusehen, ob und in welcher Höhe dies erfolgen wird. Diese Umlage gilt ebenfalls bis zum 1. April 2024.

Zudem werden viele weitere Preisbestandteile wie zum Beispiel die Netzentgelte ab 01.01.2023 oder die BEHG-Umlage neu festgelegt. Unabhängig davon sind beschaffungsbedingte weitere Preiserhöhungen leider nicht zu vermeiden. Eine weitere Preisanhebung zum 01.01.2023 ist somit derzeit sehr wahrscheinlich, soweit die Umlagen nicht gleichzeitig wieder deutlich sinken.

Was kann ich tun, um meinen Verbrauch kurzfristig zu senken?

Für den Haushalt gibt es verschiedene einfache Möglichkeiten, um den Energieverbrauch kurzfristig zu reduzieren. Auf unserer Website stellen wir Ihnen unter Stadtwerke Bielefeld - Energiesparen (stadtwerke-bielefeld.de) eine Reihe von Einsparmöglichkeiten für Ihren Haushalt vor.

Sofern auch weitergehend bauliche Maßnahmen, z. B. die Errichtung einer Photovoltaikanlage, für Sie in Betracht kommen, empfehlen wir Ihnen die Buchung eines persönlichen Gesprächstermins mit einem unserer Energieberater über unsere Online-Terminvereinbarung.

Kann ich der automatischen Abschlagsanpassung widersprechen?

Falls Sie mit der automatisch festgelegten Abschlagshöhe nicht einverstanden sind, können Sie über Mein Energieportal die Höhe Ihrer Abschlagszahlungen innerhalb bestimmter Grenzen selbst anpassen. Alternativ können Sie über meinAbschlagsplan(at)stadtwerke-bielefeld.de uns eine E-Mail schicken oder uns den gewünschten Abschlagsbetrag telefonisch unter Tel. 0800 1007175 mitteilen.

Bitte berücksichtigen Sie dabei aber, dass ein zu niedrig gewählter Abschlag zu höheren Nachzahlungen auf Ihrer nächsten Jahresabrechnung führt.

 

Gibt es seitens der Stadtwerke schon eine Prognose ob sich die Situation im Winter 23/24 bessern wird?

In der aktuellen Situation lassen sich leider noch keine Prognosen für den Winter 2023/2024 treffen.

Wie sieht die Situation für Kund:innen mit Fernwärme aus?

Aktuell gilt die Gaspreisumlage nicht für Fernwärmekunden. Da Erdgas aber im gewissen Umfang auch zur Fernwärmeerzeugung genutzt wird, fallen bei den Stadtwerken deutliche Mehrkosten durch die neuen Umlagen an. Seitens des Gesetzgebers gibt es durchaus Überlegungen, diese Mehrkosten auch an Fernwärmekunden weiter zu geben. Eine belastbare Aussage, ob und in welcher Höhe Mehrkosten somit auch auf Fernwärmekunden zukommen, kann derzeit nicht gegeben werden

Warum erhöht sich der Preis in diesem Maße?

Im Zuge der Ukraine-Krise hat Russland die Gaslieferungen nach Deutschland stark gedrosselt. Hiervon sind an erster Stelle die deutschen Gasimporteure betroffen, die für die Ersatzbeschaffung des Erdgases deutlich erhöhte Kosten haben. Um einen Zusammenbruch der Lieferkette und die Insolvenz einzelner Marktakteure zu vermeiden, hat die Bundesregierung beschlossen die systemrelevanten Importeure zu schützen. Die Mehrkosten für die Ersatzbeschaffung werden daher durch eine bundesweite Gasbeschaffungsumlage auf alle Kunden umgelegt.

Außerdem wird ab dem 1. Oktober 2022 auf Basis von § 35e Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) die neue Gasspeicherumlage eingeführt. Mit dieser soll die Trading Hub Europe (THE) entlastet werden. Dieses Unternehmen ist für die deutsche Gasmarkt-Organisation zuständig. Mit der Umlage sollen die Kosten ersetzt werden, die der THE zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit entstehen. THE beschafft aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen das Erdgas, das zur Befüllung einiger Gasspeicher für den kommenden Winter benötigt wird. Ziel ist es, auf diesem Wege die Gasspeicher in Deutschland bis zum 1. November zu mindestens 95 Prozent zu füllen. Die hierdurch entstehenden Mehrkosten zur Absicherung der Versorgungssicherheit werden durch die Gasspeicherumlage auf alle Kunden umgelegt.

Alle genannten Maßnahmen und damit die sich sicher in Bielefeld ergebenden Preiserhöhungen zum 01.10.2022 sind somit auf die Ukraine-Krise sowie die stark reduzierten Gaslieferungen aus Russland zurückzuführen. Das gilt auch für die Entwicklung der Großhandelspreise der Zukunft.  

Woher kommen die Gasmengen der Stadtwerke Bielefeld?

Gas wird an den Großhandelsmärkten eingekauft. Hier kaufen die Stadtwerke Bielefeld langfristig große Mengen bei einer Vielzahl von Vorlieferanten ein, die vertraglich zugesichert sind. Das Gas gelangt physisch über vorgelagerte Gasnetzbetreiber zum Netzbetreiber vor Ort.

Eine exakte Zuordnung individueller Gaslieferungen zu Herkunftsländern ist auch aufgrund des engmaschigen Gastransportnetzes mit zahlreichen Kopplungspunkten zu den Nachbarländern nur bedingt möglich. Die konkreten Flüsse steuern die Fernleitungsnetzbetreiber. Zudem können verschiedene Gasqualitäten durch Konvertierung untereinander gewechselt werden.

Wie werde ich in der Zukunft unabhängig von Gas heizen können (Wärmepumpe?)

Je nach Lage, Gebäudetyp und -alter bieten sich für Wohnimmobilien ganz unterschiedliche Alternativen zur herkömmlichen Gasheizung an. Am besten vereinbaren Sie über unsere Online-Terminvereinbarung direkt einen persönlichen Gesprächstermin mit einem unserer Energieberater. Gemeinsam finden wir für Ihr Gebäude die passende Lösung.