Stadtwerke passen Preise bei Strom und Gas an

24.05.2022 | 11:45

geschrieben von  Sebastian Bauer

Zusammenlegung von Grund- und Ersatzversorgung erfordert Preiserhöhung – ab Juli entfällt EEG-Umlage

Bereits seit Monaten steigen die Preise an den Energiemärkten auf historische Höchstwerte. Darüber hinaus erfolgen in diesem Sommer gesetzliche Anpassungen des Energiewirtschaftsgesetzes, die es bedingen, dass Versorgungsunternehmen wie die Stadtwerke Bielefeld ihre bisherigen Strom- und Gaspreiskalkulationen anpassen.

Die gesetzlichen Neuerungen sehen es vor, dass durch die Versorgungsunternehmen zukünftig nicht mehr zwei Grundversorgungstarife für Neu- und Bestandskunden angeboten werden können. Zwar sollen Ersatzversorgung und Grundversorgung auch für Haushaltskunden zukünftig getrennt werden, aber die Neuregelung sieht eine Ersatzversorgung nur für einige Wochen vor. Danach werden die Kunden zu einem einheitlichen Grundversorgungstarif beliefert. Als Folge hiervon erhöhen sich bei Strom und Gas auch die Tarife von Bestandskunden.

Gleichzeitig profitieren bereits zum 1. Juni 2022 alle nach dem 21. Dezember 2021 zu den Stadtwerke Bielefeld gewechselten Kunden, da dann der bisherige Grundversorgungstarif für Neukunden mit dem deutlich günstigeren Grundversorgungstarif für Bestandskunden zusammengeführt wird.

Durch die von der Regierung beschlossene Absenkung der EEG-Umlage zum 1. Juli bei den Strompreisen wirken sich die Anpassungen aber moderat aus. Zuletzt betrug die EEG-Umlage 3,72 ct/kWh netto (4,42 ct/kWh brutto) – diese wird zum 1. Juli dieses Jahres zunächst auf 0 ct/kWh abgesenkt.

„Die vergangenen Monate haben viele Grundversorgungsunternehmen vor enorme Herausforderungen gestellt. Überhaupt spielen bei der Preiskalkulation und der Energiebeschaffung plötzlich Faktoren eine Rolle, die vor wenigen Monaten noch niemand vorhersehen konnte – wie etwa der Krieg in der Ukraine oder die Liefereinstellungen von sogenannten Discount-Anbietern auf dem Energiemarkt“, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Müller.

Bestandskunden wurden geschützt

Mit den steigenden Energiepreisen haben viele Billig-Anbieter im Strom- und Gasbereich zum Jahreswechsel die Belieferung ihrer Kunden von heute auf morgen eingestellt. Als Grund- und Ersatzversorger mussten die Stadtwerke Bielefeld einspringen. Das Versorgungsunternehmen kauft die Energie grundsätzlich langfristig ein, um den Verbrauchern eine möglichst hohe Preisstabilität zu gewährleisten. Aufgrund der vielen, unerwarteten Neukunden mussten Strom und Gas zu enormen Preisen nachgekauft werden. „Um gerade die Tarife unserer treuen Bestandskunden zu schützen, haben wir deshalb im Dezember einen zweiten Grundversorgungstarif eingeführt, in den alle Neukunden aufgenommen wurden. Nur so war der unerwartete und hohe wirtschaftliche Aufwand ein wenig aufzufangen“, erläutert Holger Mengedodt, Geschäftsbereichsleiter Markt und Kunde bei den Stadtwerken Bielefeld.

Ende April hat der Bundestag nun einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, wonach die Preise für grundversorgte Kundinnen und Kunden einheitlich sein sollen. Heißt: Auch die Stadtwerke Bielefeld bieten zukünftig nur noch einen Grundversorgungstarif an. „Noch vor der Sommerpause soll das Gesetz verabschiedet werden, auch wenn der genaue Zeitpunkt noch unklar ist. Deshalb bereiten wir uns mit den Tarifanpassungen bereits auf diesen Fall vor. Aus diesem Grund wechseln auch alle Kundinnen und Kunden, die aktuell bei Strom oder Erdgas noch den Neukundentarif beziehen, bereits zum 1. Juni in den Grundversorgungstarif für Bestandskunden“, sagt Rainer Müller.

Im Zusammenhang mit den Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz werden die beiden bisherigen Tarife mit unterschiedlichen Preisen vereinheitlicht. Neben den gestiegenen Beschaffungskosten macht auch dies eine Preisanpassung notwendig, die dann auch die Bestandskunden im bisherigen Grundversorgungstarif betrifft. Zum 1. August dieses Jahres erhöhen sich die Stromtarife beim Arbeitspreis um 2,51 ct/kWh netto (2,99 ct/kWh brutto). Die Grundpreise bleiben konstant. Bereits am 1. Juli wirkt die gesetzliche Reduzierung der EEG-Umlage um 3,72 ct/kWh auf 0 ct/kWh für die Stromkunden.

Aufgrund dieser Reduzierung liegen die neuen Preise ab dem 1. August dieses Jahres für Stromkunden letztendlich 1,21 ct/kWh unter den aktuellen Preisen im Grundversorgungstarif. Ein Haushalt mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 2800 kWh/Jahr spart etwa 3,40 Euro (brutto) monatlich.

Anpassungen unumgänglich

„Dank unserer langfristigen Beschaffungsstrategie war es möglich, dass unsere Bestandskundinnen und -kunden in den vergangenen Monaten nicht mit Preisanpassungen konfrontiert werden mussten, obwohl wir bereits vor Einführung des zweiten Grundversorgungstarifes Ende Dezember 2021 viele Neukundinnen und -kunden aufgenommen haben. Der jetzige Gesetzentwurf des Energiewirtschaftsgesetzes lässt den Stadtwerken Bielefeld genauso wie vielen anderen Grundversorgern aber keinen Spielraum. Durch die Zusammenlegung der zwei aktuellen Grundversorgungstarife in Kombination mit den extrem gestiegenen Großhandelspreisen ist diese Erhöhung auch bei Erdgas unumgänglich“, erläutert Holger Mengedodt.

Ebenfalls angepasst wird am 1. August daher der Arbeitspreis im Grundversorgungstarif Gas. Ab diesem Tag steigt der Preis um 2,03 ct/kWh netto (2,42 ct/kWh brutto). Dies führt bei einem Durchschnittshaushalt im Grundversorgungstarif mit einem Gasverbrauch von 16.000 kWh/Jahr im Vergleich zu den derzeitigen Gaspreisen zu Mehrkosten in Höhe von etwa 32,20 Euro (brutto) im Monat.

„Durch unsere langfristige Beschaffungsstrategie verbleibt es bei einer moderaten Anpassung der Tarife. Ein Blick auf die Vergleichsportale im Internet zeigt uns, dass wir mit diesen Planungen weiter richtigliegen. Denn sowohl beim Strom, als auch beim Gas sind die Stadtwerke Bielefeld Stand heute der günstigste Anbieter in unserer Stadt. Daher rechnen wir auch für die zweite Jahreshälfte mit deutlichem Kundenzuwachs. Die Stadtwerke beabsichtigen, die am 1. August eingeführten Tarife derzeit bis zum Jahresende konstant zu halten“, sagt Holger Mengedodt und ergänzt: „Voraussetzung dafür sind aber halbwegs konstante äußere Rahmenbedingungen.“

Kunden empfehlen die Stadtwerke bereits jetzt eine Anpassung Ihrer Abschläge vorzunehmen, um bei der Jahresabrechnung Nachzahlungen zu vermeiden. Am einfachsten können Kunden dies bequem online im Energie-Portal auf www.stadtwerke-bielefeld.de erledigen.