Stadtwerke Bielefeld schließen auch zweites Pandemie-Jahr sehr erfolgreich ab

Martin Uekmann und Rainer Müller

20.06.2022 | 12:36

geschrieben von  Lisa Teichler

Jahresabschluss mit hervorragendem Ergebnis

Die Stadtwerke Bielefeld haben das zurückliegende Geschäftsjahr sehr erfolgreich abgeschlossen und bleiben ein verlässlicher Partner in der Krise. Das Jahr 2021 war in der Energiebranche geprägt durch die anhaltende Corona-Pandemie und eine beginnende Energie-Krise. Mit einem Betrag von 84,2 Millionen Euro (Vorjahr: 12,6 Millionen) erzielte das Unternehmen ein hervorragendes Jahresergebnis. Hauptgründe dafür sind die positiven Entwicklungen im operativen Geschäft und Sondereffekte im Zusammenhang mit dem zum Jahresende 2021 stillgelegten Gemeinschaftskraftwerk Grohnde.

Die Stadtwerke Bielefeld erwirtschafteten außerdem mehr als 45 Millionen Euro für den Ausgleich von Verkehrs- und Bäderverlusten und leisteten Konzessionsabgaben in Höhe von 21,6 Millionen Euro an die Stadt.

Die Geschäftsführer Rainer Müller und Martin Uekmann sind dementsprechend zufrieden. „Es ist ganz wichtig, dass wir wesentliche Teile unseres starken Jahresergebnisses in die Zukunft des Unternehmens investieren können. Schließlich wollen wir unter anderem bis 2030 alle Bielefelder Haushalte mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgen. Außerdem haben wir erneut gezeigt, dass wir ein zuverlässiger Partner sind. Trotz Pandemie und steigender Energiepreise haben wir unsere Kundinnen und Kunden jederzeit beliefert und das zu fairen Konditionen“, betont Martin Uekmann. Auch 2021 war die Arbeitsbelastung durch Corona-Schutzmaßnahmen bei den Stadtwerken hoch. Vor allem die sensiblen Bereiche mussten zur Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge weiter unter starken Restriktionen arbeiten. Hinzu kam der Umstand, dass im Herbst einige Energieversorger ihre Kundinnen und Kunden nicht mehr beliefern konnten oder wollten, die dann in die Grundversorgung der Stadtwerke Bielefeld übernommen wurden.
Rainer Müller: „Durch unsere vorausschauende Beschaffungsstrategie konnten wir unsere Bestandskunden 2021 vor großen Preissteigerungen bewahren. Auch aktuell sind wir mit Abstand der günstigste Anbieter in Bielefeld. Die größte Aufgabe wird in den kommenden Jahren sein, weiterhin für nachhaltige, bezahlbare und gesicherte Energie zu sorgen. Das zeigen uns die Auswirkungen des fürchterlichen Krieges in der Ukraine.“

Operatives Geschäft weiter stark
Die außerordentlich gute Ertragslage im Jahr 2021 hängt zu einem großen Teil mit der Stadtwerke-Beteiligung an Grohnde zusammen. „Das Gemeinschaftskraftwerk wurde zum Ende des vergangenen Jahres abgeschaltet. Wir haben jedoch zuvor sehr zeitnah und sehr erfolgreich über die Konditionen der erforderlichen Reststrommengen verhandelt. Dadurch sind in Verbindung mit der Preisentwicklung an der Strombörse Erträge entstanden, mit denen in dieser Höhe im Vorfeld nicht zu rechnen war. Klar ist aber auch, dass diese Effekte letztmalig sind“, erklärt Müller.
Darüber hinaus hat auch das operative Geschäft maßgeblich zur positiven Entwicklung beigetragen. Der Stromabsatz lag mit 3,6 Milliarden Kilowattstunden 2,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Homeoffice und erneute Kontaktbeschränkungen sorgten weiter für einen hohen Strombedarf bei den Haushaltskunden. Ein weiterer Grund für die Absatzsteigerung war die Übernahme zahlreicher Kundinnen und Kunden, die von ihrem bisherigen Versorger nicht mehr beliefert wurden.
Noch deutlicher waren die Steigerungen im Gasgeschäft. Aufgrund des Kundenzuwachses, aber auch wegen der sehr kalten Witterung, stieg der Absatz mit 3,9 Milliarden Kilowattstunden um fast 12 Prozent. Die gleiche Steigerungsrate gab es auch im Bereich der Fernwärme. Durch den milden und niederschlagsreichen Sommer haben die Bielefelderinnen und Bielefelder beim Wasser gespart, so dass mit 18,8 Millionen Kubikmetern gut 2 Prozent weniger Wasser verbraucht wurden als im Vorjahr.
„Diese Zahlen zeigen, dass unser Kerngeschäft weiter immanent wichtig für uns als Stadtwerke ist. Unser Marktanteil bei Haushalts- und Gewerbekunden lag im Bereich Strom und Gas bei 82 Prozent. Das ist bundesweit ein sehr hohes Niveau. Wir sind froh über so viel Vertrauen“, sagt Uekmann.

Die Tochterunternehmen
Große Effekte auf die Gesamtbilanz hatten auch die Geschäfte der Stadtwerke Tochterunternehmen.

Die Interargem verzeichnete ein besonders gutes Ergebnis von 21 Millionen Euro. Mit den beiden Müllverbrennungsanlagen in Bielefeld und Hameln konnte die Entsorgungssicherheit in Ostwestfalen-Lippe und dem südlichen Niedersachsen sichergestellt werden. In den Anlagen wurden gut 780.000 Tonnen Abfälle verarbeitet.

Die BITel stellt sich weiter für die digitale Zukunft auf und treibt den flächendeckenden Breitbandausbau voran. Für den Aufbau dieses neuen Geschäftsfeldes waren hohe Anfangsinvestitionen nötig und dadurch auch planmäßige Verluste unumgänglich. Diese konnten jedoch begrenzt und der Jahresfehlbetrag auf 247.000 Euro reduziert werden. Grund für die positive Entwicklung ist unter anderem ein deutlicher Kundenzuwachs im Breitband-Segment. Mit 4.335 Kundenanschlüssen im Glasfaser-Bereich verzeichnete die BITel eine deutliche Steigerung von fast 160 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders bemerkbar machten sich die Auswirkungen des Corona-Virus weiter bei den Verkehrsbetrieben moBiel. Zwar fuhren mit 34,8 Millionen Fahrgästen wieder mehr Menschen Bus und Stadtbahn in Bielefeld, dennoch sanken die Umsatzerlöse auf 52,9 Millionen Euro (Vorjahr: 54,2 Mio. Euro). Aufgrund der staatlichen Unterstützungsprogramme und der zeitweisen Entspannung der Corona-Lage ab dem zweiten Quartal fiel der Jahresverlust mit 32,8 Millionen Euro sogar um 6,5 Millionen Euro geringer aus als ursprünglich geplant.

Auch die Bäder und Saunen mussten 2021 aufgrund von Corona wieder lange geschlossen bleiben. Während der Öffnungszeiten war für die BBF nur ein eingeschränkter Betrieb mit hohen Hygienestandards und Abstandsregeln möglich. Dadurch sanken die Besucherzahlen sogar noch einmal auf 486.200 und damit um 17 Prozent im Vergleich zum ersten Pandemiejahr. Der Jahresfehlbetrag konnte jedoch auf 10,2 Millionen Euro begrenzt werden, da der Bund Corona bedingte Wirtschaftshilfe leistete und es einen deutlich geringeren Personalaufwand durch Kurzarbeit gab.

Stadtwerke Gruppe investiert in die Zukunft
Trotz anhaltender Corona-Pandemie hat die Stadtwerke Bielefeld Gruppe im vergangenen Jahr erhebliche Summen investiert. Das Investitionsvolumen belief sich auf mehr als 115 Millionen Euro.

„Erneuerbare Energien sind die Zukunft. Das haben wir als Stadtwerke Bielefeld bereits früh erkannt – heute ist das Thema aktueller denn je. Wir müssen uns unabhängig von fossiler Energie machen. Deswegen sind wir stolz sagen zu können, bereits 2021 ein Leuchtturmprojekt umgesetzt zu haben“, sagt Martin Uekmann. Mit dem Bau des Innovationsparks Sektorenkopplung an der MVA in Bielefeld können die ersten vier Wasserstoffbusse in Bielefeld betrieben werden. Die Abstellhalle für die Fahrzeuge und die Wasserstoff-Tankanlage wurden innerhalb von zwölf Monaten realisiert. Dabei ist das Wissen und Können aus vielen Stadtwerke-Unternehmen wie der MVA, moBiel oder BITel eingeflossen. Für die Errichtung wurden 13,5 Millionen Euro investiert. „Komplett emissionsfrei können die Brennstoffzellenbusse aber erst fahren, wenn grüner Wasserstoff direkt zur Verfügung steht. Aktuell wird er noch angeliefert. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten bereits an einem Elektrolyseur, der grünen Wasserstoff mit Strom aus der MVA produzieren wird“, erklärt Rainer Müller.

Große Investitionen hat es im vergangenen Jahr auch im Bereich des Breitbandausbaus gegeben. 28 Millionen Euro flossen in die neue Glasfaser-Infrastruktur in Ubbedissen, Hillegossen, Ummeln und Brake. Außerdem wurde der Ausbau besonders unterversorgter Gebiete („weiße Flecken“) vorangetrieben sowie die Breitbanderschließung der Bielefelder Schulen. „Spätestens seit Corona ist klar, dass wir leistungsstarke Datennetze brauchen. Dieses Thema gehört für die Stadtwerke mittlerweile genauso zur Daseinsvorsorge wie die Versorgung mit Energie. Langsam zeigt sich auch, dass die Investitionen Früchte tragen“, sagt Uekmann.

Mehr als 25 Millionen Euro haben die Stadtwerke im vergangenen Jahr in ihre Versorgungsnetze investiert. Das Bestandsgeschäft hat mehr denn je oberste Priorität für das Unternehmen. Der Versorgungsauftrag muss in Zukunft mit einem hohen Maß an Sicherheit erfüllt werden. Dafür ist es unerlässlich, die Energie-Infrastruktur auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten. Ebenso wichtig waren für die Stadtwerke deswegen auch Investitionen in die Digitalisierung des Unternehmens. In die IT-Infrastruktur flossen insgesamt mehr als 10 Millionen Euro. „Auch bei uns sind viele Prozesse heute digitalisiert. Die Sicherheit dieser Abläufe, zum Wohle der Daseinsvorsorge, ist deswegen von hoher Wichtigkeit“, sagt Müller.

Top-Thema: Versorgungssicherheit
Mit all den genannten Investitionen haben sich die Stadtwerke Bielefeld bereits bestmöglich auf die Zukunft vorbereitet. „Die Überschüsse, die wir erwirtschaftet haben, sind nun dringend notwendig für weitere Zukunftsinvestitionen in die Verkehrs- und Energiewende sowie in den Glasfaserausbau. In all diesen Bereichen gibt es eine riesige Nachfrage. Umso erfreulicher ist es, dass wir wesentliche Teile unseres hervorragenden Ergebnisses aus 2021 reinvestieren können. Wir befinden uns damit in einer glücklichen Lage, um die Zukunftsthemen direkt angehen zu können“, sagt Martin Uekmann.
Dabei ist die Versorgungssicherheit wichtigstes Thema für die kommenden Jahre. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine unternehmen die Stadtwerke Bielefeld erhebliche Anstrengungen, um für nachhaltige und bezahlbare Energie zu sorgen. „Die Auswirkungen des Krieges werden uns auch zukünftig vor große Herausforderungen stellen. Dennoch tun wir alles was wir können, damit die Bielefelderinnen und Bielefelder sicher mit Strom, Gas und Wasser versorgt werden. Aufgrund der Entwicklungen an der Börse müssen wir auch künftig mit Preissteigerungen rechnen. Es sollte also jedem Einzelnen auch darum gehen, wie wir mehr Energie einsparen können“, betont Rainer Müller.

Fest im Fokus bleibt auch der weitere Ausbau des Glasfasernetzes in Bielefeld, um sowohl den Bielefelder Unternehmen als auch den hier lebenden Menschen schnelle Datennetze zur Verfügung zu stellen. Ende 2023 sollen alle geförderten Gewerbegebiete baulich erschlossen sein, damit Unternehmen rasch einen Glasfaseranschluss nutzen können.

moBiel verfügt bereits heute über eine der modernsten Fahrzeugflotten bundesweit. Weitere Investitionen werden unter anderem in den barrierefreien Ausbau der Haltestellen sowie die Planungen für die Stadtbahn-Verlängerungen der Linie 1 und der Linien 2 bzw. 3 fließen. Martin Uekmann: „Gerade vor dem Hintergrund steigender Spritpreise darf die Weiterentwicklung der Mobilität nicht ins Stocken geraten. Fahren mit Bus und Bahn muss wieder attraktiver werden, vor allem auch in Kombination mit unseren Sharing-Angeboten wie den meinSiggi-Fahrrädern.“

Stadtwerke als attraktiver Arbeitgeber
Die Stadtwerke Bielefeld Gruppe ist damit wichtiger Unterstützer und engagierter Partner in Fragen von Digitalisierung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit für Bielefeld. Für diese Aufgaben braucht es jedoch auch geeignetes Fachpersonal. Die Stadtwerke Bielefeld Gruppe bietet heute bereits 2.634 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz. Uekmann und Müller betonen: „Der Fachkräfte-Mangel macht auch vor uns keinen Halt. Deswegen möchten wir an dieser Stelle jungen Menschen mitgeben, dass sie bei uns eine sinnstiftende Tätigkeit finden können. Egal ob sie im Bereich Digitalisierung oder auch an der Verkehrs- oder Energiewende mitarbeiten. Bei uns gibt es attraktive Arbeitsplätze mit modernen Strukturen.“

Je nach Tätigkeit kann die Arbeitszeit in der Stadtwerke Bielefeld Gruppe bis zu 60 Prozent im Homeoffice erbracht werden. Außerdem gibt es zahlreiche soziale Leistungen. Das Unternehmen wird seit Jahren dafür ausgezeichnet, besonderen Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu legen.

 

Auf einen Blick: Daten & Fakten Stadtwerke Bielefeld

Stadtwerke GmbH Messgröße 2021 2020
Jahresergebnis in Mio. EUR 84,2 12,6
Umsatzerlöse in Mio. EUR 695,1 580,9
Eigenkapital in Mio. EUR 371,6 328,4
Bilanzsumme in Mio. EUR 988,9 891,2
Konzessionsabgabe in Mio. EUR 21,6 21,6
Investitionen in Mio. EUR 69,6 66,9
Mitarbeiter/-innen   1.262 1.252
SWB Konzern Messgröße 2021 2020
Umsatzerlöse in Mio. EUR 824,7 717,3
Eigenkapital in Mio. EUR 415,0 373,5
Bilanzsumme in Mio. EUR 1.313,5 1.136,9
Investitionen in Mio. EUR 117,9 124,7
Mitarbeiter/-innen   2.634 2.624
Sparten im Überblick Messgröße 2021 2020
Strom      
Stromabsatz Mio. kWh 3.558,2 3.473,5
Verteilungsnetz km 5.272 5.282
Zähler   215.103 214.324
Hausanschlüsse   66.066 65.757
Erdgas      
Erdgasabsatz Mio. kWh 3.954,7 3.536,1
Verteilungsnetz km 1.293 1.293
Zähler   71.877 72.214
Hausanschlüsse   47.067 46.497
Fernwärme      
Fernwärmeabsatz Mio. kWh 861,4 769,3
Verteilungsnetz km 223 220
Zähler   7.421 7.327
Hausanschlüsse   4.096 4.056
Wasser      
Wasserabsatz Mio. m3 18,8 19,2
Verteilungsnetz km 1.608 1.603
Zähler   66.720 66.458
Hausanschlüsse   62.217 62.047
Beteiligungen Messgröße 2021 2020
moBiel      
Fahrgäste Mio. 34,8 33,6
Busse
(eigene + angemietet)
  196 197
Stadtbahnen   80 76
BITel      
Kundenanschlüsse   22.363 20.820
BBF      
Besucher Hallenbäder   266.800 328.500
Besucher Freibäder   162.400 177.700
Besucher Eisbahn   57.000 64.200
Interargem      
Abfallannahme Tonnen 783.800 790.500
Stromabsatz Mio. kWh 336 313
Fernwärmeabsatz Mio. kWh 587 569