moBiel bleibt Motor der Verkehrswende

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von moBiel räumen beim Wintereinbruch im Februar 2021 Haltestellen frei, damit Fahrgäste sicher einsteigen können. Foto: Sarah Jonek
Seit Mai sind die neuen Wasserstoff-Busse von moBiel ganz offiziell auf Bielefelds Straßen unterwegs. Damit leistet das Verkehrsunternehmen einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz. Foto: Thorsten Ulonska

13.06.2022 | 14:56

geschrieben von  Yvonne Liebold

Investitionen in neue Stadtbahnen und Wasserstofftechnik

Die Verkehrswende ist auf Bielefelds Straßen sichtbarer denn je. Und daran hat das Verkehrsunternehmen moBiel maßgeblichen Anteil. Seit 2021 sind die nächsten neuen Vamos-Stadtbahnen unterwegs, und mit dem probeweisen Einsatz der ersten Wasserstoffbusse geht moBiel sogar ganz neue Wege. Darüber hinaus erfreuen sich die Sharing-Angebote, insbesondere das Fahrradverleihsystem meinSiggi, weiterhin wachsender Beliebtheit. „Damit bleibt die moBiel Motor der Verkehrswende in Bielefeld“, sagt Geschäftsführer Martin Uekmann.

Dass die Verkehrswende allerdings eine enorme Herausforderung ist und keineswegs von der moBiel allein zu schultern ist, zeigt ebenfalls der Blick ins vergangene Jahr. moBiel verzeichnete 2021 zwar einen leichten Anstieg der Fahrgastzahlen im Vergleich zum Vorjahr. „Von den einst gut 60 Millionen Fahrgästen sind wir aber pandemiebedingt immer noch weit entfernt“, sagt Uekmann. Es werde sicherlich noch einige Zeit dauern, bis die Fahrgastzahlen wieder auf Vor-Corona-Niveau steigen. Das spiegele sich auch in der Bilanz wider. „Nur dank des Rettungsschirms, der inzwischen auf 2022 ausgedehnt worden ist, sind wir wieder mit einem blauen Auge durch das Jahr gekommen“, sagt Uekmann.

Insgesamt nutzten 2021 rund 34,8 Millionen (Vorjahr: 33,6 Millionen) Fahrgäste Bus und Stadtbahn in Bielefeld. In der Pandemie haben – besonders im ersten Halbjahr – einmal mehr viele Fahrgäste ihre Kontakte eingeschränkt oder im Homeoffice gearbeitet. Dank der neuen Schüler-Card verzeichnete moBiel allerdings einen Anstieg der Fahrgastzahlen bei Schülern, Schülerinnen und Auszubildenden um 25,1 Prozent. Insgesamt führte das zu einem allgemeinen Anstieg der Fahrgäste von 3,8 Prozent.

Corona wirkt sich auf Umsatz aus

Die Umsatzerlöse beliefen sich 2021 auf 52,9 Millionen Euro (Vorjahr: 54,2 Mio. Euro). Da sich die Corona-Lage ab dem zweiten Quartal entspannt hat, fiel der Jahresverlust mit 32,8 Millionen Euro sogar um 6,5 Millionen Euro geringer aus als ursprünglich für 2021 geplant. Hier macht sich der Rettungsschirm von Bund und Land bemerkbar.

Auch ab 2023 werde moBiel auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein. „Zum einen sind in der Pandemie viele ehemalige Fahrgäste auf das Auto umgestiegen, zum anderen werden weiterhin jedes Jahr bis zu 5000 Autos zusätzlich in Bielefeld zugelassen. Das macht uns zu schaffen, weil dadurch die Straßen verstopfen und auch wir mit unseren Bussen im Stau stehen. Die Veränderung der Arbeitswelt könnte uns aber in die Karten spielen, da hohe Fixkosten eines Pkw nicht im Einklang mit der geringen Nutzung durch Homeoffice stehen,“ sagt Martin Uekmann. „Außerdem sind wir gespannt, wie sich das neue 9-Euro-Ticket auswirkt. Wir hoffen, dass einige auf den Geschmack kommen und danach weiter mit uns fahren“, ergänzt Cornelia Christian, Leiterin des moBiel-Kundenmanagements.

Die Pandemie hat aber auch verdeutlicht, dass moBiel wesentlich zur öffentlichen Daseinsvorsorge beiträgt. Selbst in Zeiten des Lockdowns im ersten Quartal 2021, als etwa nur die Hälfte der einstigen Fahrgäste Bus und Stadtbahn nutzten, hat das Unternehmen den Fahrplan – mit Ausnahme der Nachtbusse und der Schulfahrten – aufrechterhalten, da viele Fahrgäste wie etwa Berufspendler auf größtmögliche Mobilität angewiesen sind.

Schneemassen im Februar

Zu den besonderen Herausforderungen zählte 2021 auch der kurze, aber extrem heftige Wintereinbruch im Februar. Eisregen, Schneemassen und Glatteis sorgten dafür, dass der ÖPNV tagelang nahezu komplett zum Erliegen kam. „In den letzten Jahrzenten hat es eine solche Ausnahmesituation nicht gegeben“, sagt Kai-Uwe Steinbrecher, technischer Leiter von moBiel. Auch weil davon auszugehen ist, dass sich solche Wetterereignisse künftig wiederholen werden, ist die Zusammenarbeit mit den städtischen Betrieben verstärkt worden. So besteht Einigkeit mit dem Umweltbetrieb, dass das Aufrechterhalten des ÖPNV absolute Priorität hat.

Investitionen in die Verkehrswende

Losgelöst von der Coronakrise bleibt die Gestaltung der Verkehrswende Arbeitsschwerpunkt bei moBiel. Der Diskurs um eine klimafreundliche Stadt wird aktiv in Bielefeld geführt. moBiel arbeitet an Verbesserungen des Linienverkehrs und an breit gefächerten Sharing-Angeboten und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Nahverkehrsplans.

Im vergangenen Jahr hat moBiel vor allem in den Fahrzeugpark, die Stadtbahninfrastruktur sowie in den Innovationspark Sektorenkopplung investiert. Die Investitionen beliefen sich auf insgesamt 29,1 Millionen Euro (2020: 40 Millionen Euro), für die 7,2 Millionen Euro Fördermittel eingeworben werden konnten.

Seit Mai 2022 fahren probeweise vier neue Wasserstoff-Busse auf der Linie 29. Von der Entscheidung darüber, die Fahrzeuge anzuschaffen, bis zur Inbetriebnahme sind lediglich dreieinhalb Jahre vergangen. Standort und Tankstelle für die Busse, der „Innovationspark Sektorenkopplung“ an der Müllverbrennungsanlage in Bielefeld-Heepen, ist sogar in der Rekordzeit von weniger als einem Jahr als Gemeinschaftsprojekt der Stadtwerke Bielefeld Gruppe errichtet worden. Die Gesamtinvestition für Busse, Tankstelle und Abstellhalle beläuft sich auf 13,5 Millionen Euro.

Die finanziell größte Herausforderung bleibt aber die Beschaffung von 24 neuen Vamos-Stadtbahnen für insgesamt 95 Millionen Euro. Neun Bahnen der zweiten Generation, die die Namen berühmter Bielefelder Persönlichkeiten tragen, sind schon auf Bielefelds Straßen unterwegs. Kai-Uwe Steinbrecher, technischer Leiter von moBiel: „Die Inbetriebnahme der restlichen 15 Bahnen ist für dieses Jahr vorgesehen.“

Parallel arbeitet moBiel daran, weitere Stadtbahnhaltestellen nicht nur barrierefrei, sondern auch Vamos-tauglich zu machen. Für die Hochbahnsteige Marktstraße, Krankenhaus und Sieker Mitte wurden 5,4 Millionen Euro investiert.

1,8 Millionen Sharing-Kilometer

Als Ergänzung zum klassischen Linienverkehr mit Bus und Stadtbahn nutzen Bielefelderinnen und Bielefelder mit stetig wachsender Begeisterung die flexiblen, digital buchbaren Sharing-Angebote. Cornelia Christian weiß, dass viele Fahrgäste die neue Flexibilität schätzen: „Die Nutzerinnen und Nutzer unserer Sharing-Angebote haben – mit Ausnahme der cambio-Autos – seit Anfang 2021 die beeindruckende Zahl von 1,8 Millionen Kilometern zurückgelegt, und zwar klimafreundlich.“ Die Leihräder meinSiggi wurden im vergangenen Jahr sogar von 250 auf 600 Räder aufgestockt und sind besonders bei Studierenden sehr gefragt.

Einen Schub werde auch die neue Mobilitätsplattform bringen, die über die neue App „moBiel YOU“ Infos für eine maßgeschneiderte Ticket- und Verkehrsmittelwahl bietet – einschließlich Buchung und Bezahlung. Über die neue App wird auch voraussichtlich ab September 2022 der neue NRW-weite e-Tarif angeboten. Bei diesem Tarif checkt der Fahrgast via Smartphone bei Einstieg in Bus oder Bahn ein und beim Aussteigen selbst wieder aus. Der Ticketpreis für die Fahrt berechnet sich dabei aus einem fixen Grundpreis und den Luftlinienkilometern zwischen Start und Ziel.

Ausblick auf 2022

Für 2022 hat moBiel Investitionen in Höhe von etwa 30 Millionen Euro geplant. Ein Schwerpunkt bleibt der Ausbau der Stadtbahn-Infrastruktur. Aktuell laufen vorbereitende Arbeiten für den Bau der drei modernen Hochbahnsteige auf der Hauptstraße in Brackwede. Im April 2023 sollen die Hauptarbeiten zwischen der Gaswerkstraße und der Jenaer Straße beginnen. Im Zuge dieser Arbeiten wird der gesamte Verkehrsraum neu aufgeteilt, werden Gleise sowie Versorgungsleitungen saniert und wird die Hauptstraße damit insgesamt aufgewertet. Nicht weniger Tempo ist in den Planungen für die Verlängerung der Linie 1 nach Sennestadt, der Mobilitätslinie. Im Herbst stellt moBiel den geplanten Endpunkt der Vorzugsvariante in Sennestadt und den Querschnitt der Elbeallee vor. Cornelia Christian: „Die Planungen schreiten gut voran. Ganz wichtig ist uns, mit Politik sowie Anwohnerinnen und Anwohnern im Gespräch zu bleiben. Sorgen und Wünsche können uns gerne unter dialog(at)mobiel.de mitgeteilt werden. Die Mail landet dann direkt bei unserem Planungsteam.“

Trotz der durch die Corona-Pandemie erschwerten wirtschaftlichen Situation des Unternehmens will moBiel 2022 und darüber hinaus an seiner Investitionsplanung und der Ausweitung des Angebots festhalten. Geschäftsführer Martin Uekmann: „Wir streben im Interesse unserer Kundinnen und Kunden eine weitere Verbesserung des Qualitätsniveaus und eine bessere Vernetzung der Verkehrsträger an. Die Herausforderung für die Stadt wird darin liegen, dem ÖPNV auf den Straßen Vorrang zu gewähren, um die Leistungsfähigkeit der ÖPNV-Verkehre wesentlich zu verbessern.“

Verkehrswende braucht Rückenwind

Die heutigen und die noch zu definierenden Anforderungen an die Verkehrswende geben moBiel die Chance, eine wachsende Rolle im Verkehrsmarkt zu spielen. Die Stadt Bielefeld hat 2019 im Stadtrat den Beschluss gefasst, die Partner des Umweltverbundes – zu dem der ÖPNV gehört – zu stärken. Der Modal-Split-Anteil soll bis 2030 auf 75 Prozent steigen. „Wenn der ÖPNV einen Anteil von zirka 25 Prozent am Verkehrsaufkommen erreichen soll, bedarf es verkehrspolitischer Maßnahmen und Rückenwind, um diese Ziele zu erreichen. Die Mobilitätswende erfordert über Jahre Millionenbeträge. Das übersteigt die finanziellen Möglichkeiten von moBiel, aber auch die der Stadtwerke Bielefeld“, sagt Uekmann. Im Februar 2022 wurde im Rat der Stadt Bielefeld beschlossen, moBiel ab 2023 einen jährlichen Betriebskostenzuschuss zu gewähren. Durch diese Förderung sollen etwa 30 bis 40 Prozent des jährlichen Verlustes abgedeckt werden. Uekmann, der auch Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld ist: „Die kommunale Mitfinanzierung des Nahverkehrs ist auch in Bielefeld angekommen. Das ist ein ganz wichtiger Baustein für die Zukunft.“ Die Kommunen werden jedoch finanziellen Rückenwind vom Bund und Land brauchen, um die notwendigen Finanzierungen stemmen zu können.

 

moBiel-Kennzahlen 2020 und 2021

  2020 2021
Umsatzerlöse (Mio. Euro) 54,2 52,9
Jahresergebnis (Mio. Euro) -27,9 -32,8
Aufwanddeckungsgrad (%) 71,3 67,6
Investitionen (Mio. Euro) 40,0 29,1
Zahl Fahrgäste (in Mio.) 33,6 34,8
 
  • davon Stadtbahn
 

19,5

20,2

 
  • davon Bus
 

14,1

14,6

Zahl Mitarbeiter(innen) 850 842
 
  • davon Fahrer(innen)
 

510

511

Fahrzeuge: Stadtbahnen 76 80

Fahrzeuge: Busse

   
 
  • nur eigene
 

133

132

 
  • incl. angemietete
 

197

202