Stadtwerke Bielefeld müssen Gas- und Strom-Tarife erhöhen

Holger Mengedodt
Rainer Müller

07.11.2022 | 12:30

geschrieben von  Lisa Teichler

Neue Preise zum 1. Januar 2023

Auch die Stadtwerke Bielefeld müssen, wie zuletzt mehrfach angekündigt, die Gas- und Strompreise erhöhen. Seit Monaten spielen die Preise an den Börsen verrückt. Innerhalb eines Jahres hat sich der Großhandelsmarktpreis für Gaslieferungen mehr als vervierfacht. Genauso sieht es auch beim Strom aus. Einen Höhepunkt gab es Ende August – zu dem Zeitpunkt waren die Preise sogar mehr als zehnmal so hoch, als noch vor der Energiekrise.
„Wir konnten unsere Kundinnen und Kunden bisher vor großen Kostensteigerungen bewahren“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Müller. „Das lag an unserer risikoarmen Beschaffungsstrategie. Aber auch wir mussten in den vergangenen Monaten einkaufen und das schlägt sich nun auf die Preise nieder.“
Zum 1. Januar 2023 ändern sich deswegen die Gas- und Strompreise für Haushalts- und kleinere Gewerbekunden.

Gaspreis steigt um 52 Prozent
Der Gas-Arbeitspreis steigt zum Jahreswechsel um 4,79 Cent pro Kilowattstunde (brutto), der jährlich zu zahlende Grundpreis bleibt stabil. Für einen Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 16.000 Kilowattstunden bedeutet das eine Preissteigerung von rund 52 Prozent. Die jährlichen Mehrkosten für den Bielefelder Durchschnittshaushalt betragen damit rund 767 Euro.

Rainer Müller bedauert diese Entwicklung sehr: „Wir haben immer gesagt, dass es im Zuge der Energiekrise irgendwann eine deutliche Preissteigerung geben wird. Bei unseren Kundinnen und Kunden kommt sie jetzt verzögert an. Dennoch sind unsere Preise im Vergleich zu anderen Anbietern noch sehr moderat.“ Zum Vergleich: Der nächstgünstigere Anbieter verlangt auch nach der Gaspreisanhebung der Stadtwerke Bielefeld aktuell über 50 Prozent im Jahr mehr. Nach der Preisanpassung im Januar zahlt ein Bielefelder Durchschnittshaushalt für Gas bei den Stadtwerken rund 2240 Euro im Jahr. Der nächste Wettbewerber verlangt hingegen 3420 Euro.

Holger Mengedodt, Geschäftsbereichsleiter Markt und Kunde, sagt: „Uns ist trotzdem bewusst, dass es die höchsten Preise sind, die wir je hatten. Die gute Nachricht ist, dass die Politik ja bereits Entlastungen für alle Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht hat.“ 
Wie und wann die Preisbremse für Erdgas, Wärme und Strom genau an die Kundinnen und Kunden weitergegeben wird, darüber liegen den Stadtwerken bisher noch keine finalen Erkenntnisse vor. Gleiches gilt für die Einmalzahlung im Dezember, auf die sich Bund und Länder vergangene Woche geeinigt haben. Sobald die Umsetzung abschließend geklärt und auch vom Gesetzgeber verabschiedet ist, werden die Stadtwerke die Entlastungen weitergeben und entsprechend informieren. „Aktuell ist für 2023 eine Erdgaspreisbremse von 12 Cent pro Kilowattstunde vorgesehen. Diese soll für ein Grundkontingent von rund 80 Prozent des Verbrauchs gelten“, erklärt Mengedodt weiter. Da der Arbeitspreis für Gas in Bielefeld im neuen Jahr auf knapp 13 Cent steigt, profitieren Bielefelder Haushalte voraussichtlich mit 1 Cent pro Kilowattstunde.
Die Mehrwertsteuersenkung auf Gas und Wärme von 19 auf 7 Prozent haben die Stadtwerke bereits rückwirkend zum 1. Oktober für alle Kundinnen und Kunden berücksichtigt.

Strompreis steigt um 24 Prozent
Der Strom-Arbeitspreis steigt zum Jahreswechsel um 7,43 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Der jährlich zu zahlende Grundpreis bleibt auch beim Strom unverändert. Für einen Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 2.800 Kilowattstunden bedeutet das eine Preissteigerung von rund 24 Prozent. Die jährlichen Mehrkosten für den Bielefelder Durchschnittshaushalt betragen damit rund 208 Euro.
Die aktuell diskutierte Strompreisbremse soll bei 40 Cent pro Kilowattstunde liegen. Ab Jahresbeginn wird der in Bielefeld geltende Arbeitspreis bei rund 34 Cent liegen. Dementsprechend liegt der Arbeitspreis bei den Stadtwerken Bielefeld auch nach der Preiserhöhung noch deutlich unter dem Wert der geplanten Strompreisbremse. Auch hier zum Vergleich: Der nächstgünstigere Anbieter verlangt aktuell rund 60 Prozent mehr als die Stadtwerke Bielefeld. Nach der Preisanpassung im Januar zahlt ein Bielefelder Durchschnittshaushalt für Strom rund 1080 Euro im Jahr. Der nächste Wettbewerber verlangt hingegen aktuell 1740 Euro.

„Es ist nicht ganz einfach zu vermitteln, warum die Strompreise auch so hoch sind. Schließlich spricht alle Welt aktuell vor allem über das knappe Gut Gas“, sagt Rainer Müller. „Strom- und Gaspreise sind aber über die Märkte eng miteinander verbunden.“ Eine nicht unwesentliche Menge des Stroms in Deutschland wird durch Gaskraftwerke erzeugt. Der hohe Gaspreis wirkt sich dementsprechend unmittelbar auf die Strompreise aus.

Ein weiterer Faktor ist die aktuell geringe Verfügbarkeit von Atomkraftwerken in Frankreich. Müller: „Wir sind in Europa auf dem Energiemarkt längst vernetzt und wenn aus Frankreich weniger Strom zur Verfügung steht, wirkt sich das direkt auf Deutschland aus. Wir sind zwar weit davon entfernt, von einem Mangel an Strom in Europa zu sprechen, aber dennoch wirkt sich die Verknappung des Angebots direkt auf die Preise aus.“

Abschläge werden automatisch angepasst
Mit den genannten Preisanpassungen kommen auf die Kundinnen und Kunden ab Januar erhebliche Mehrkosten zu. Um sie vor hohen Nachzahlungen zu bewahren, passen die Stadtwerke Bielefeld die Abschlagszahlungen zum ersten Mal automatisch an. Über die genaue Höhe und den Zeitpunkt werden alle Kundinnen und Kunden in einem separaten Brief rechtzeitig schriftlich informiert. Derzeit warten die Stadtwerke noch auf die konkrete Ausgestaltung der Energiepreisbremse und wollen diese soweit möglich schon bei der Abschlagsanpassung berücksichtigen. Die Abschläge werden nach den individuellen Verbräuchen neu berechnet. Bis spätestens zum 16. Januar können Kundinnen und Kunden auch einen taggenauen Zählerstand melden. Das geht persönlich in den Beratungszentren, per Telefon (0521) 51 - 76 70, per E-Mail meinZaehlerstand(at)stadtwerke-bielefeld.de oder im Internet über das Energie-Portal: https://portal.stadtwerke-bielefeld.de.

Holger Mengedodt sagt: „Durch die Energiekrise und die häufig unklare gesetzliche Lage haben viele Menschen in den vergangenen Monaten bei den Stadtwerken Bielefeld angerufen. Durch die Preisänderung wird sich das sicher noch einmal verstärken. Wir haben in unserer Kundenberatung die Personalkapazitäten bereits erhöht, aber dennoch kann es vor allem am Telefon länger dauern.“
Um lange Wartezeiten am Telefon oder auch im Beratungszentrum zu vermeiden, empfehlen die Stadtwerke eine Kontaktaufnahme per E-Mail: meineEnergiefragen(at)stadtwerke-bielefeld.de. In der E-Mail kann auch eine Rückrufbitte unter Angabe einer Telefonnummer enthalten sein. Mengedodt: „Es gilt natürlich weiterhin: Wir sind immer offen für Sorgen und Nöte und beraten jeden gerne persönlich, der Zahlungsschwierigkeiten auf sich zukommen sieht.“

Energiesparen ist weiter das Gebot der Stunde
Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Müller ist bewusst, dass die Preisanpassung für viele Bielefelderinnen und Bielefelder eine große Belastung darstellen wird. „Deswegen ist es umso wichtiger, Energie zu sparen wo es geht. An den Preisen können wir nichts ändern, aber jede Kilowattstunde Gas oder Strom sind bares Geld wert.“
Die Stadtwerke Bielefeld haben dazu eine umfangreiche Kampagne gemeinsam mit der Stadt Bielefeld aufgelegt. Unter anderem auf der Homepage der Stadtwerke Bielefeld sind viele Energiespartipps zusammengetragen, die in einem Bielefelder Durchschnittshaushalt bis zu 1000 Euro an Einsparung bringen können. Außerdem wurde in Zusammenarbeit mit der Stiftung Solidarität eine Energie-Hotline eingerichtet: (0521) 2997800.
Müller: „Das Energiesparen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur so können wir gut durch die Herbst- und Wintermonate kommen. Nur so kann Erdgas eingespeichert und die Versorgungssicherheit erhöht werden. Und nicht zuletzt unterstützen wir damit die besonders betroffene Industrie mit ihren zahlreichen Arbeitsplätzen.“