Bielefelds erhält neuen Anschluss an das überörtliche Höchstspannungs-Stromnetz

Mithilfe eines 160-Tonnen-Krans schwebten nacheinander die drei Relaishäuser an ihren Standort im Umspannwerk Eickum.
Mithilfe eines 160-Tonnen-Krans schwebten nacheinander die drei Relaishäuser an ihren Standort im Umspannwerk Eickum. | Foto: Thorsten Ulonska

13.04.2017 | 08:00

geschrieben von  Birgit Jahnke

Stadtwerke Bielefeld investieren fast vier Millionen Euro in das Umspannwerk Eickum

Hochbetrieb herrschte jetzt auf dem Gelände des Umspannwerks Eickum, wo zurzeit von den beiden Eigentümern Tennet – ein deutschlandweit tätiger Übertragungsnetzbetreiber – und Stadtwerke Bielefeld ein zweiter Netzanschluss an das 380.000-Volt-Höchstspannungs-Stromnetz errichtet wird. Drei Schwerlasttransporter brachten am Dienstag (11. April) drei jeweils 25 Tonnen schwere Relaishäuser zu dem Gelände des Umspannwerks, das kurz hinter der Bielefelder Stadtgrenze auf Herforder Gebiet liegt. Ein großer Kran hob die Relaishäuser dann auf bereits vorbereitete Fundamente. Hierbei musste präzise gearbeitet werden. Denn für die Montage konnte das Umspannwerk nicht abgeschaltet werden, so dass alle umliegenden Anlageteile unter Hochspannung standen.

In die etwa garagengroßen Gehäuse wird in den nächsten Wochen modernste Steuerungs-, Schutz- und Kommunikationstechnik installiert, die notwendig ist, um die Verfügbarkeit des neuen Netzanschlusses jederzeit gewährleisten zu können. Mit dem gleichen Ziel erweitern die Stadtwerke-Mitarbeiter aus der Stromversorgung zurzeit auch die bestehende 110.000-Volt-Schaltanlage des Umspannwerks. Im September erfolgt dann der Anschluss an einen neuen Großtrafo der Tennet. Im März 2018, so planen die Ingenieure der Stadtwerke, sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Die Stadtwerke Bielefeld reagieren mit der Modernisierung und Erweiterung des Umspannwerks, die im Februar begann, auf den durch die Energiewende ausgelösten Strukturwandel in der Stromerzeugung und die hierdurch notwendigen Veränderungen im bundesweiten Höchstspannungsnetz. Immer mehr dezentrale Anlagen, die Strom aus Wind oder Sonne gewinnen, speisen in das Stromnetz ein. Gleichzeitig verlieren herkömmliche Kraftwerke mit ihrer sehr regelmäßigen Netzeinspeisung an Bedeutung. So stellte etwa das Kohlekraftwerk in Veltheim, an dem die Stadtwerke Bielefeld beteiligt waren und von dem sie jahrzehntelang Strom bezogen, 2015 den Betrieb ein.

Die neue Anlage im Umspannwerk Eickum, in der Strom aus dem bundesweiten Netz von der Höchstspannung 380.000 Volt auf 110.000 Volt umgewandelt und dann in das Bielefelder Netz eingespeist wird, ersetzt ebenso wie ein zweiter neuer Netzanschluss, der 2015 im Umspannwerk Bechterdissen entstand, die bisherigen Netzanschlüsse. Diese binden bisher das Stromnetz der Stadtwerke Bielefeld in die konventionellen Erzeugungsstrukturen in OWL ein. Die alten Anlagen, die rund 40 Jahre alt sind, werden nach Abschluss der Arbeiten im Jahr 2020 endgültig abgeschaltet. Die Stadtwerke Bielefeld investieren in die beiden neuen Netzanschlüsse insgesamt 5,45 Millionen Euro. Allein in Eickum werden 3,95 Millionen Euro verbaut.

Über den neuen Netzanschluss im Umspannwerk Eickum kann eine Leistung von 350 Megawatt – oder 350.000.000 Watt - übertragen werden. Dies entspricht dem Bedarf von rund 175.000 Haushalten. “Wir investieren hier, damit unsere Kunden immer sicher Strom zur Verfügung haben“, so Klaus Schauffert, der bei den Stadtwerken Bielefeld den Bereich Elektroanlagen-Planung leitet. „Wir können mit den beiden neuen Netzanschlüssen deutlich mehr Last als bisher aus dem europäischen Höchstspannungsnetz übertragen. Das macht das Netz fit für künftig steigende Anforderungen. Aber es gibt auch Sicherheit für den Störungsfall, falls einmal ein Trafo ausfällt.“ Der neue Netzanschluss reiche aus, um die gesamte Bielefelder Stromversorgung, aber auch die der umliegenden Orte Werther, Steinhagen und Halle-Künsebeck zu sichern. Außerdem schaffe man die Möglichkeit, die überwiegend in ländlichen Regionen erzeugte regenerative Energie flexibel auch in einer Großstadt wie Bielefeld nutzen zu können.